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  • Michael Hübler
  • Trainer, Berater, Coach, Experte für emotionale Kompetenzen
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23. September 2010 4 23 /09 /September /2010 20:16

Mit dem folgenden Text wollte ich bei einem von Wikipedia ausgepreisten Schreibwettbewerb mitmachen. Doch dann hieß es: Serien sind leider nicht erlaubt. Also gut, bevor der Text auf meiner Festplatte verstaubt ... Und schließlich passt er ja auch zum Thema "Arbeiten und Pausen machen". So verbringe also ich meine Pausen:

 

Verliebt in "Six Feet Under"

Es ist schon seltsam. Amerika scheint in vieler Augen ein überaus oberflächliches Land zu sein. Doch die Serien, die dieses "große" Land in den letzten Jahren produziert hat sind ... wie soll ich sagen, ebenso groß-art-ig. Art-ig natürlich im Sinne von kunstvoll. Wenn wir an Serien aus den 70ern denken, Starsky & Hutch, Straßen von San Francisco, 3 Engel für Charlie und wie sie alle hießen, haben diese kaum etwas gemeinsam mit heutigen Serien wie Dexter, 24, Californication, Carnivale oder eben Six Feet Under. Diese Serien bestechen durch einen logischen Aufbau, der unserer Ex- und Hopp-Gesellschaft so seltsam – gerade in diesem schnellen Medium – zu widersprechen scheint. Es erscheint kaum möglich, einfach so mitten in Folge 6 einzusteigen und zu hoffen noch inhaltlich mitzukommen. Natürlich funktioniert auch dies im Ansatz, irgendwie. Doch wirklich, nein, so richtig funktionieren tut es nicht. Die heutigen Serien stehen dazu viel zu sehr in der Tradition von Serien wie Ausgerechnet Alaska oder v.a. Twin Peaks. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich über alle Länder der Erde verteilt Fan-Gruppen bilden, um die genannten Serien kultähnlich zu verfolgen. Im Falle von Six Feet Under würde ich sogar sagen: Kniet nieder ein weint bittere Tränen. Zumindest geht es mir regelmäßig in den letzten 5 Minuten einer Folge so, dass ich kaum noch an mich halten kann, obwohl ich nun nicht unbedingt so nahe am Wasser gebaut habe.

Diese Serien, allen voran Six Feet Under, eine Serie über eine Familie mit einem Toten-Gräber-Unternehmen, lebt davon, dass die mitspielenden Charaktere reifen, leben, wachsen und gedeihen. Und jedesmal, wenn wir einschalten, kommen ein paar neue Facetten hinzu.

Zum Inhalt der Serie ansich gibt es wahrlich nicht viel zu sagen: Es wird gelebt, geliebt, geboren und natürlich – wie kann es anders sein – gestorben. Die Menschen trennen sich und gehen fremd. Sie finden wieder zueinander und trennen sich wieder. Einsame Frauen finden neue Männer, die auch nicht besser sind. Alte Menschen rauchen Marihuana. Sexbessene gehen in Therapie. Lehrer schlafen mit ihren Zöglingen. Homosexuelle Paare gehen gemeinsam in die Kirche und küssen sich anschließend in der Öffentlichkeit oder haben Sex in einer öffentlichen Toilette. Nebenbei erwähnt gibt es eine Studie, die besagt, dass Menschen nach dem Genuss von Six Feet Under wesentlich schwulenfreundlicher sind als zuvor (nachzulesen in Jens Förster: Kleine Einführung in das Schubladendenken). Und, ganz großartig – und das meine ich auch wirklich so: Charaktere, von denen man niemals denken würde, dass der Regisseur sie sterben ließe, begehen Selbstmord oder sterben an einem Hirnschlag. Wo andere Regisseure die Zuschauer schonen, gibt es hier keine Gnade. Six Feet Under bombardiert uns mit dem prallen Leben. Und all diese vor Leben sprühenden Aspekte menschlichen Daseins erscheinen so leichtfüßig choreografiert, dass man ihnen all das Unglaubwürdige und Unwahrscheinliche einfach abnimmt: So, und zwar genau so, ist das Leben. Nein! So will ich leben! Mit genau diesem Schmerz, dieser Liebe, dieser Trauer, dieser Wut und dieser Verrücktheit. Langeweile und Brotjob gehen anders.

Diese Serie fühlt sich lebendiger und intensiver an als das eigene Leben. Viele Serien erscheinen einer Flucht vor dem wirklichen Leben – ohne jedoch dieses Versprechen einzulösen. Nach dem Abspann bleibt ein schaler Geschmack übrig. Doch Six Feet Under ist unders(sic). Six Feet Under macht süchtig. Jetzt wo ich die letzte Folge gesehen habe, weiss ich, dass ich so etwas Großartiges in meinem ganzen Leben nicht mehr sehen werde.

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Published by Michael Hübler
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Kommentare

sven 11/01/2010 14:21



Das angemessene Verhältnis von Aktivität und Pause auf verschiedenen Zeitebenen in Balance zu halten wird zunehmend schwieriger: Arbeitspausen und Schlaf sind zunehmend weniger am
24-Stunden-Tag beteiligt; in der Woche wird der Sonntag vom eigenen, in der Woche unerfüllten Konsumbedürfnis zum "verkaufsoffenen" und somit "mussefreien" Tag (so bin ich am
gestrigen verkaufsoffenen Sonntag in der unglaublich vollen Stadt gewesen, um die Dinge zu kaufen, deren Kauf ich in der Woche aufgrund relativ langer Arbeitszeiten nicht geregelt bekommen
habe ).


Dem Thema "Schlaflose Gesellschaft" hat sich Die Zeit in dieser Woche gewidmet: www.zeit.de/schlaf Darin finden sich viele gute Argumente, sich die Pause
in der Nacht nicht nehmen zu lassen, die der Autor des Leitartikels, Peter Spork, an anderer Stelle in einem Plädoyer für den Schlaf wie folgt zusammengefasst hat: "Schlafen Sie sich schön,
schlau und gesund!" In diesem Sinne: Gute Nacht!