Betrachtungen über unseren Umgang mit Emotionen, Wissen und der Zeit. Weitere Informationen auf www.m-huebler.de www.xing.com/profile/Michael_Huebler3
Für beide Medien gilt: Technologien werden nur genutzt, wenn die Nutzer sie als
benutzerfreundlich einschätzen und
der Nutzen erkannt wird.
1 Weblogs: Ideal für Diskussionen und Entscheidungen
In Weblogs können Themen gestartet und diskutiert werden. Ein neues Thema erscheint dabei immer ganz oben in der Seite, während durch die Meinungen anderer 'Kommentarbäume' entstehen. Dabei bleibt der Ursprungsartikel bestehen und wird nicht wie in einem Wiki weiterverarbeitet. Zwar werden die Themen kategorisiert, um auch ältere Themen gut wiederzufinden. Allerdings eignen sich Weblogs weniger, um Themen prozessorientiert weiterzuentwickeln, sondern mehr um Meinungen zu bestimmten Themen einzuholen, Diskussionen anzuzetteln und damit auch Entscheidungen zu forcieren - oder auch, um top-down als Alternative zu emails Mitarbeiter über die eigenen Tätigkeiten zu informieren. Sollte es sich allerdings um Informationen mit einer zeitlichen Dringlichkeit handeln, ist es nach wie vor sinnvoller, diese nach dem Push-Prinzip per email mitzuteilen.
Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter hat eine bestimmte Erfahrung mit einem Kunden gemacht bzw. eine bestimmte Problemlösung angeboten, die so oder so ankam. Wenn es nun darum geht, einen Service Blueprint zu entwickeln, sind Wikis wesentlich besser geeignet. Wenn es aber darum geht, die Meinungen anderer einzuholen, sind Weblogs genau das richtige Medium.
Eine Umfrage unter Microsoft-Mitarbeitern zur Nutzung von Weblogs ergab folgende Punkte:
der Leidenschaft für die Arbeit Ausdruck geben
direkte, schnelle Kommunikation mit anderen
die eigene Arbeit dokumentieren, beschreiben und organisieren
Good Practice
Eine Gefahr besteht darin, dass Weblogs als Einbahnstraßen-Informationsquelle betrachtet werden. Viele Mitarbeiter scheuen sich oder sehen gar nicht die Notwendigkeit, Kommentare abzugeben. Daher sollte der Wunsch nach Kommentaren kommuniziert werden, um hier Klarheit zu schaffen. Ebenso wichtig ist eine gewisse Regelmäßigkeit, gerade weil Weblogs eher nach dem Pull-Prinzip funktionieren.
2 Wikis: Ideal zur Lösungssuche und für Prozessentwicklungen
In Wikis können Mitarbeiter gemeinsam an Dokumenten arbeiten. Dadurch ergibt sich eine gewisse Dynamik, die in Weblogs nicht möglich ist. Voraussetzung dafür sind eher feste, kleinere Gruppen bzw. eine kleinere Anzahl aktiver Teilnehmer, um die gemeinsame Bearbeitung nicht in ein Chaos ausarten zu lassen. Andererseits besteht für die Größe der Leser keine Beschränkung.
Wikis sind daher ideal, um neue, innovative Lösungen für Probleme oder Prozessabläufe zu entwickeln. Sie sind aufgrund der Wissensvertiefung in aller Regel nachhaltiger als Weblogs, d.h. sie werden länger genutzt und die Frequenz der Zugriffe ist höher.
Auch für Wikis gilt: Wenn bereits einige Inhalte eingestellt sind, ergibt sich schneller ein größerer Sog aufgrund der Reziprozitäts-(Wiedergutmachungs-)Regel.
3 Nutzen von Wikis und Weblogs (v.a. aus Mitarbeitersicht)
Potentiell sind Weblogs als auch Wikis auch für große Gruppen geeignet. Allerdings bieten kleinere, exklusivere Gruppen den Vorteil, die Hemmschwelle geringer zu halten.
Unabhängig von den verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten gibt es dennoch Gemeinsamkeiten in Nutzen und Hindernissen.
Der Nutzen von Weblogs und Wikis
Andere über die eigene Arbeit informieren und relevante Informationen finden
weniger emails schreiben / bekommen
an weniger Meetings teilnehmen
Austausch über Privates (kann auch als Eisbrecher eingesetzt werden)
langfristig: Verbesserung der internen Kommunikation, da v.a. in Wikis ein Austausch auch über Hierarchiegrenzen hinweg genutzt wird
Aus Flow-Prozessen wissen wir, wie wichtig Feedbackprozesse sind. Hier können Weblogs und Wikis eine gute Alternative sein, mit den entscheidenden Vorteilen:
immer verfügbar zu sein,
dauerhaft verschriftlicht zu werden und
genau die richtige Person für das eigene Problem zu finden.
Nutzen Wikis (eher bottom-up)
Transparenz und Durchsuchbarkeit der Wissensbasis
Prozesse und Arbeitsabläufe durchleuchten und verbessern und dadurch Arbeitserleichterung
freie Kapazitäten zur Dokumentation nutzen
Erhöhung der persönlichen Reputation
Nutzen Weblogs (eher top-down)
Beschleunigung der internen Kommunikation und Aktualitätsbezug der Informationen
Transparenz über Wissensträger und Organisation
Infoflut reduzieren
4 Hindernisse bei der Einführung von Wikis und Weblogs
Aufwand von Einstellen und Suchen von Informationen
zu wenige / unregelmäßige Beiträge
zu wenige Mitarbeiter erstellen Beiträge
zu viel Transparenz über die eigenen Tätigkeiten
Zugriffs- und Bearbeitungsrechte
eigene Inhalte sollen nicht verändert werden
5 Erfolgsfaktoren
Einführung, Akzeptanz und sanfter Druck von oben
Einbinden der Mitarbeiter und Aufbau von Vorzeigewikianern/-bloggern über persönliche Ansprache von Autoren, um ein engagiertes Kernteam zu bekommen
konkrete Einsatzszenarien, Initiierung einer Kommunikationskultur und Roll-out mit Inhalten
Aktiver Abbau von Schreibbarrieren
Regelmäßigkeit der Beiträge
Integration in den Arbeitsalltag, insbesondere über genügend Ressourcen (v.a. Zeit)
Literaturtipps:
Stocker, Tochtermann - Wissenstransfer mit Wikis und Weblogs
Pircher - Wissensmanagement, Wissenstransfer, Wissensnetzwerke